Wolf

von Saša Stanišić

Junges Schauspielhaus Düsseldorf
Premiere: 05. Dezember 2024

© David Baltzer
Regie
Carmen Schwarz
Bühne & Kostüme
Rosanna König
Sounddesign
Philipp Koelges
Puppenbau & Animation
Léa Duchmann
Licht
Konstantin Sonneson
Dramaturgie
Kirstin Hess
Theaterpädagogik
Thiemo Hackel
Access Beratung
Amy Zayed, Joy Bausch (Un-Label)

Mit
Hannah Joe Huberty, Leon Schamlott, Ayla Pechtl, Natalie Hansik, Felix Werner-Tutschku

Mit künstlerischer Audiodeskription

Ferienlager. Das sind Brennnesseln, Dornen, Mücken, und das Schlimmste: Fast alle aus Kemis Stufe sind auch angemeldet. Die Netten, die Sportler:innen, die Pferdemädchen, die Zocker:innen. Und Jörg, der immer abseits steht.

Jörg und Kemi landen in einem Zimmer, da sie bei der Zimmeraufteilung übrig geblieben sind. So geht Demokratie, denkt Kemi. Die täglichen Ausflüge begeistern alle. Nur Kemi beobachtet, wie Marko und seine Gefolgschaft Jörg bedrängen und ihn noch mehr zum Einzelgänger oder, wie es im Buch heißt, »andersiger« machen. Eine Lösung könnte sein, den Betreuer:innen davon zu erzählen. Ganz konkret ließe sich die Sache einfach vergessen. Und die Lösung wäre, Jörg beizustehen. Doch Kemi ist heilfroh, dass es einen anderen getroffen hat, und schweigt. Denn gemobbt werden, das kennt Kemi: Als Kemis Vater weg war und Mutter und Kemi bei allem sparen mussten, gab es dumme Sprüche. Eine Entscheidung muss her. Da taucht ein Wolf auf, der nachts mit funkelnden Augen neben Kemis Bett sitzt.

»Wolf« wurde mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis 2024 ausgezeichnet und steht auf der internationalen Empfehlungsliste »The White Ravens 2024« als eine von 200 bemerkenswerten Neuerscheinungen der Kinder- und Jugendliteratur aus 50 Ländern. Regisseurin Carmen Schwarz erzählt den Roman als Geschichte über Freundschaft und Zivilcourage, dafür verbindet sie Schauspiel mit Puppenspiel. Mit einer künstlerischen Audiodeskription lädt die Inszenierung sehende, sehbehinderte und blinde Menschen gleichermaßen ein. Inklusionsberater:innen von Un-Label haben die Produktion von Beginn der Konzeptionierung an über die gesamte Probenphase hinweg mit dem Vorgehen Aesthetics of Access begleitet. Resultat ist ein Stück, in dem die künstlerische Audiodeskription nicht nur dem Text eingeschrieben ist, sondern auch in der Handlung der Figuren, der Komposition des Sounds, der Bühne, der Kostüme und des Lichts durchgängig mitgedacht und realisiert ist.

© David Baltzer
© David Baltzer
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© David Baltzer

Kritiken 


» In der Regie von Carmen Schwarz gewinnt Hannah Joe Huberty als sympathisch miesepetriger Wirbelwind Kemi sofort ihr Publikum. Sprungbereit wie ein Tischtennisball, schnell im Wechsel zwischen Anpassung und Widerstand, mit der Deutlichkeit tönender Mimik, die immer ein selbstständiger Kommentar ist zu dem, was sie sagt. «

Theater heute, 01.03.2025

» Mit einer starken Besetzung und einer inklusiven Inszenierung macht das Junge Schauspiel den inneren Konflikt bei Ausgrenzung und Mobbing greifbar – und fordert junge und ältere Zuschauer auf, Verantwortung zu übernehmen. Auf der Bühne des Jungen Schauspiels spielt Hannah Joe Huberty als Kemi … mit einer einnehmenden Energie und Ausdrucksstärke. … Das Besondere der Inszenierung: Es enthält eine künstlerische Audiodeskription, mit der die Geschichte auch sehbehinderten und blinden Menschen zugänglich gemacht wird. … Das Stück darf nicht nur als Mutmacher für jüngere Altersklassen verstanden werden, nicht zu schweigen, wenn sie Ausgrenzung und Mobbing mitbekommen. Sondern auch als Kritik an älteren Generationen, die allzu häufig lieber die Belange junger Menschen kleinreden, anstatt sie ernst zu nehmen. «

Rheinische Post, 06.12.2024